Der Kevinismus hat wieder einmal zugeschlagen... [Für jene Personen, die mit dem Begriff jetzt nichts anfangen können: Kevinismus, bei Mädchen auch als "Chantalismus" bekannt, bezeichnet die Unfähigkeit von Eltern, ihren Kindern menschliche Namen zu geben.]
Neulich, als ich mich nichtsahnend auf dem Weg zur Berufsschule befand, wurde ich kurzerhand Zeugin folgendes Gesprächs:
Mädel 1: Du, meine Freundin hat jetzt ihr Kind bekommen. Es heißt "Alisha".
Mädel 2: Ich weiß echt nicht, warum alle ihren Kindern jetzt englische Namen geben müssen. Wenn ein Elternteil Engländer ist, ok, aber ansonsten klingt das doch echt doof, wenn man z.B. "Müller" mit Nachnamen heißt.
Mädel 1: Na ja, "Alisha" geht ja noch, finde ich - besser als "Justin" oder so. Mein Cousin heißt z.B. "Harm".
Mädel 2: Harm? H-A-R-M? Also, meine Cousins haben beide normale Namen - gut, der eine heißt Ron Alfred...
Mädel 1: Ron Alfred?! oO
Mädel 2: Ja. *g* Und der andere... Na ja, bitte nicht lachen, aber der andere heißt Jan Gandalf...
An dieser Stelle musste ich mich furchtbar zusammenreißen, wie auch andere Mitreisende, die ebenfalls zugehört hatten, freiwillig oder nicht. Irgendwann musste ich mir sogar auf die Lippen beißen und mich wegdrehen, konnte in dieser Bewegung aber auch gleichzeitig die Gesichter der Leute um uns herum begutachten, die - ebenso wie ich, Mühe hatten, ihren Spott über den armen Jan Gandalf zurückzuhalten.
Ich bin mir bisweilen nicht ganz sicher, ob sich einige Eltern im Klaren darüber sind, dass sie mit solchen Namen weder Kreativität beweisen noch besonders originell sind - sondern das Kind für den Rest seines Lebens brandmarken.
Es geht natürlich noch schlimmer, keine Frage. Im Beispiel oben hatten die Kinder ja noch Auswahlmöglichkeiten.
Trotzdem möchte ich selbst nicht später im Möbelhaus ausgerufen werden mit den Worten: "Tahira-Blue-Destiny möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden!"...
Passend dazu gab es, wie einige sicher wissen, vor kurzem eine Studie, die deutlich zeigte, dass gewisse Namen bei Lehrern eher negative Assoziationen hervorrufen. Unabhängig davon, ob das nun gerecht ist oder nicht, denke ich, dass es eben inzwischen nahezu unvermeidlich ist, sich bestimmte Vorurteile diesbezüglich an zueignen. Letztendlich kommen diese jedenfalls nicht immer von ungefähr, sagt es doch zumindest häufig etwas über das Umfeld der Kinder aus.
Aber natürlich sollte dies grundsätzlich kein Indikator für Intelligenz und Leistungsbereitschaft eines Kindes sein - immerhin kann es nichts für seinen Namen.
In diesem Sinne,
liebe Grüße und auf bald,
Miss Rosewood







